Episode 1 - Intro Krankenhausführung neu denken

19. Juni 2026

Herzlich Willkommen zu "Krankenhausführung neu denken"

Nicht zu wenig Zeit, sondern zu viel Arbeit

Der Start einer neuen Reise: Warum ich diesen Podcast ins Leben gerufen habe, welche Fragen mich antreiben und weshalb Krankenhausführung neu gedacht werden muss.

Klicken Sie bitte auf das Symbol, um diese Episode zu hören.

Der Ton in Wort und Schrift:

Herzlich willkommen zur ersten Folge von Krankenhausführung neu denken. Mein Name ist Jörg Gottschalk und ich freue mich sehr, dass Sie dabei sind.

Vielleicht haben Sie sich ja gewundert, warum es in den vergangenen Monaten etwas ruhiger um mich und meinen Podcast geworden ist. Der Grund dafür ist: Ich habe die Zeit genutzt, um mein neues Buch zu schreiben. Es trägt den Titel: “Die zweite Revolution in der Krankenhausführung.“ Und es ist inzwischen überall im Handel als Printversion und eBook erhältlich. Ich hoffe sehr, dass es viele, viele interessierte Leserinnen und Leser findet.

Dieses Buch war auch der Anlass, einen neuen Podcast zu starten. Denn in dieses Buch sind Gedanken, Beobachtungen und viele Erfahrungen eingeflossen, über die ich mich mit Ihnen in diesem Podcast unterhalten möchte. Was sie natürlich nicht davon abhalten sollte, das Buch käuflich zu erwerben und genauestens zu studieren.

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, dann fällt mir vor allem eines auf: Wir sprechen in Krankenhäusern seit langer Zeit über die immergleichen Probleme. Irgendwie überdauern sie jede politische Reform.

Wir sprechen über Personalmangel, wirtschaftlichen Druck, überlastete Mitarbeitende, Fachkräftemangel, Bürokratie und ständig steigende Anforderungen. Natürlich sind all diese Themen real. Niemand, der in einem Krankenhaus arbeitet, würde das ernsthaft bestreiten.

Doch ich hatte immer wieder das Gefühl, dass wir bei vielen Diskussionen über all das stets nur an der Oberfläche kratzen. Denn wenn man genauer hinschaut, stellen sich doch einige interessante Fragen.

Warum erleben wir dieselben organisatorischen Probleme eigentlich in fast allen Krankenhäusern und das seit Jahren? Warum haben Mitarbeitende permanent das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben? Warum müssen so viele Probleme täglich durch höchstpersönlichen Einsatz gelöst werden? Und warum gibt es sie überhaupt? Warum funktionieren selbst einfache, sich ständig wiederholende Abläufe jedes Mal anders? Und nur deswegen, weil höchst engagierte Menschen immer wieder improvisieren, koordinieren und irgendetwas ausbügeln?

Je länger ich mich mit diesen Fragen beschäftigt habe, desto stärker hat sich bei mir eine Überzeugung entwickelt. Die Überlastung unserer Krankenhäuser entsteht nämlich nicht durch zu wenig Personal oder zu wenig Geld. Sie entsteht zu einem erheblichen Teil in der Organisation selbst und durch die Organisation, in den Abläufen, in den Prozessen, in der Art und Weise, wie wir Krankenhausarbeit organisieren und sie führen.

Deshalb verwende ich häufig einen Satz, der zunächst vielleicht etwas provokant klingt: Mitarbeitende haben nicht zu wenig Zeit. Sie müssen sich zu viel Arbeit machen. Denn ein erheblicher Teil ihrer täglichen Arbeit dient nicht unmittelbar der Behandlung oder Versorgung von Patientinnen und Patienten.

Mehr als dreißig Prozent ihrer Zeit fließt stattdessen in das Beherrschen der eigenen Organisation. Informationen müssen gesucht werden, Absprachen müssen getroffen werden, Fehler müssen korrigiert werden, Störungen müssen irgendwie ausgeglichen werden. Und immer wieder müssen Menschen improvisieren, damit am Ende trotzdem ein gutes Ergebnis entsteht. Flexibilität und Individualität sind im Grunde alles.

Bemerkenswert dabei ist vor allem eines: Die Mitarbeitenden sind dabei nicht die Ursache dieser Probleme. Sie verhindern vielmehr jeden Tag, dass die Probleme größer werden. Mit großem Engagement gleichen sie organisatorische Schwächen aus und sorgen dafür, dass die Patientenversorgung trotzdem funktioniert. Und genau darin liegt der Knackpunkt. Eine Organisation, die dauerhaft von Improvisation, Individualität und Flexibilität lebt, wird mit der Zeit immer schwerer beherrschbar.

Und genau hier beginnt die eigentliche Reise dieses Podcasts. Wir werden uns in den folgenden Episoden gemeinsam anschauen, warum Krankenhäuser heute in einem Zustand arbeiten, den ich als Betriebssystem Chaos bezeichne.

Wir werden darüber sprechen, wie dieses Chaos entsteht, warum es so viel Verschwendung erzeugt und weshalb zusätzliche Ressourcen allein nicht ausreichen, um die Situation grundlegend zu verbessern. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Vor allem aber werden wir uns damit beschäftigen, wie Krankenhäuser anders organisiert werden können. Wie Veränderungen bzw. Verbesserungen in derart großen und vielfältigen komplexen Organisationen wirklich funktioniert. Und natürlich, welchen Beitrag Führung dazu leisten wird. 

Denn ich bin überzeugt: die meisten organisatorischen Probleme in Krankenhäusern sind weder naturgegeben noch unvermeidlich. Es ist möglich, Krankenhäuser zu schaffen, in denen Mitarbeitende strukturiert, stabil und effizient zum Wohle ihrer Patienten arbeiten können und dafür deutlich weniger Zeit, Energie und Aufmerksamkeit benötigen als heute.

Wir werden uns auch mit der Frage beschäftigen, wie Krankenhäuser zu Organisationen werden können, die nicht gegen ihre Mitarbeitenden arbeiten, sondern sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Denn heute müssen Mitarbeitende eher gegen die Untiefen ihrer eigenen Organisation ankämpfen.

Ich werde Ihnen natürlich wie immer keine Patentrezepte präsentieren. Mein Ziel ist es vielmehr, Ihnen eine andere Sichtweise anzubieten. Eine Sichtweise, die erklärt, warum viele Probleme entstehen und weshalb manche Lösungsansätze funktionieren, während andere immer wieder scheitern. Ich möchte alteingesessene Muster und Denkweisen infrage stellen, manchmal auch nur, ich gebe es zu, um sie überhaupt einmal in Frage zu stellen. Denn man weiß ja nie. Und wenn sie nach jeder Episode ein ganz klein wenig anders auf ihr eigenes Krankenhaus schauen als zuvor, dann erfüllt dieser Podcast bereits seinen Zweck.

In der nächsten Episode werden wir uns deshalb direkt einmal mit dem Kern vom Kern des Übels beschäftigen mit dem Betriebssystem Chaos. Was ist eigentlich das Chaos, von dem ich ständig spreche? Warum spielt es in Krankenhäusern eine derart große Rolle? Wie entsteht es? Was bewirkt es? Was können wir tun?

Ich freue mich, wenn Sie auch dann wieder dabei sind.

Bis zum nächsten Mal.

Bleiben Sie neugierig.

Ihr Jörg Gottschalk.


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